Wie ich an der Dopamin-Nadel hänge

Hallo!

Es ist heute Sonntag der zweite April und ich und Stefan waren im Wald spazieren. Sanna, unser Cockerspaniel war wie immer dabei und wir haben Bärlauch gepflückt. Die Wälder sind voll davon. Es gab ein Meer von Windröschen, nicht nur weißen sondern auch leicht rosa. Die Sonne strahlte und es war so nah perfekt das es fast wehtat. Ich fühlte mich von einem Extrem zum Anderen versetzt. Ich weiß nicht ob du das Gefühl kennst wo du morgens mit schwerem Herzen aufwachst oder nachts ins Bett geht mit einem nagenden Gedanken, „Was habe ich heute von den ganz wichtigen Dingen, die ich mir vorgenommen habe, auch getan?“. Oder, „Werde ich es heute schaffen? Nicht mit dem Kopf hängen sondern eins nach dem anderen abhaken – aber auch nicht vor lauter Leistungdenken vergessen zu genießen.“

Ich muss nicht den ganzen lieben Tag dankbar sein für das was ich habe. Aber ich mag auch nicht mit blinden Augen durch meinem Leben gehen und eines Tages ist es rum und ich war nicht anwesend. Nur mit der Vergangenheit oder die Zukunft beschäftigt. Was hätte sein können wenn…

Wenn ich sehr unzufrieden mit mir bin, habe ich gemerkt das ich nicht immer gut klar komme. Irgendein Seelen-Pflaster muss her um mich zu trösten oder „pick me up“. Es ist wie ein Jucken und Kratzen die mich von echten Gefühlen und echte Begegnungen abhalte. Zum Glück habe ich Menschen die für mich da sind. Die lassen mir dann kurz den selbst auferlegten Mist auskotzen und ich kann durch den Katharsis gereinigt wieder frisch anfangen. Oder ich muss selber für mich da sein. Schwierig aber machbar weil ich es geübt habe.

Oder ich koche oder backe etwas. Mein Mann macht immer Witze wenn ich backe. “ Bist du so gestresst ;-)!!!“

Oder ich gehe zum Sport und „tobe mich aus“.

Oder ich räume in eine verwüstete Ecke im Haus oder Garten auf. Eine Ecke wo ich wenn ich zufrieden bin hinschaue und stolz über mich denke. Hätte ich nie nur so lassen können früher in meine „Glanztagen“ wo ich nie zum Ausruhen kam, ohne das ich halb bewusstlos war. Meine gelbe Sonnenliege hat mich angelacht und ich habe freundlich zugezwinkert. Gleich liebe Liege nehme ich mir 10 Minuten für mich und genieße die Sonne und lade kurz auf“. Die Liege ist kaputt gegangen vom Wind und Wetter ohne das ich darauf gelegen bin. Bitter – aber hat mir zum Denken gegeben. Meine Taktik hat es leider nicht geändert. Nein, mehr Listen aufschreiben und nicht ganz fertig machen. Mehr aufgelegte Aufgaben die nicht mal immer in meine Macht bewerkstelligen zu können lagen.
Irgendwann habe ich lernen müssen, runterzukommen von meinem Leistungswahn und den Tag nehmen sowie er ist. Und der Mann und die Kinder 🙂 Und mir! Aber da habe ich ein bisschen mein alter Schwung verloren. Aus Angst wieder krank zu werden habe ich immer gebremst. Meine Nahrungsterapeuten meinte, „Du muss wahrscheinlich immer weniger machen und ein bisschen bremsen!“. Ich habe, den Satz ganz lange hin und her gedreht. Wer bin ich und wozu bin ich gut wenn ich nicht die Petra bin die alles mit links schaffe? Die nicht gerne nein sagt und die gerne für andere da ist. Wer bin ich wenn ich der hilfesuchende bin und mit nichts mehr als Dankbarkeit und ein vorsichtiges Lächeln zurück geben kann? Weil ich seit Jahren von einer „Grippe“ leide die mir mit Schwindel, schmerzende Lymphknoten, unerträgliche Müdigkeit und Fieber ausgestattet hab. Es gab nur eins worüber ich 100% froh war. Das ich nicht gestorben war und meine Kinder auch noch zu Halbweisen gemacht habe. All meine Unzulänglichkeiten habe ich wegschieben müssen und mir sagen müssen – du bist noch da. Wenn auch nicht den ganzen Tag aber immer wieder gesprächsbereit und interessiert. Ihr wisst vielleicht wie es so aus Kindern wie aus einer Kaskade nur so sprudeln kann. Oder die sind ganz still und wollen gar nicht reden. Einfach die Gemeinschaft haben und die Zuversicht – ich bin nicht allein. Mit oder ohne Umarmung.

 

Wenn ich dann aus diesem Loch gestärkt langsam rausgeklettert bin mit der Hilfe von meinem Mann, Kinder, Freunde und auch meinem Arzt lag die Welt wie neu da. Was mache ich mit dem Geschenk das jeder Tag ist? Wo fasse ich Ausländerin mit dem gebrochenen Deutsch am besten an? Wo kann ich arbeiten aber noch die Familie auffangen wenn Stefan geschäftlich unterwegs ist? Ich habe eine neue Aufgabe gesucht. Ich habe Arbeiten gesucht und nicht bekommen. Ich habe mein Deutsch verbessert und versucht mehr belastbar zu werden. _Nur_ Mutter und Hausmacherin war für mich nicht mehr möglich. Es fühlte sich leer und unerfüllt aus. Die Zeiten waren wunderschön aber nicht mehr etwas was mich befriedigt hat. Und unsere Kinder sollte nicht erzogen werden meine Wünsche und Lebensziele zu erfüllen, sondern die sollte ich gefälligst selber bewerkstelligen. Währenddessen habe ich mich langsam mit dem Welt in großen weiten Web angefreundet. So als Zeitvertreib vor es los geht mit einem richtigen Job. Ich habe zwei Jahre Informatik studiert so ich bin keine Novize. Die Sprachen, schwedisch, englisch und deutsch und die kulturellen Verschiedenheiten hat mich wahnsinnig fasziniert. Und wenn die Wissenschaften mich gelangweilt hat gab es tausende von Rezepte. Irgendwann kam ich auf Facebook und ein paar Jahre danach auf die Lchf-Gruppen.

Ich denke da kam meine Krankenschwester-Ader wieder zum Vorschein. Helfen, motivieren und „Erklärbär“ spielen- und auch noch tausend neuen interessanten Artikeln lesen, über Millionen von Themen, ohne nicht mal zur Bücherei gehen zu müssen. Meine Internetsucht hat angefangen.

 

 

Bilder : 95C und Alexas_Photos Pixabay