Karens Geschichte

Als ich Annes Geschichte in Sudda Suddas Blog las, war ich sehr erleichtert. Endlich bekommt die versteckte Stoffwechselstörung Lipödeme mehr Aufmerksamkeit. Aus diesem Grund habe ich nach Leuten mit eigenen Erfahrungen mit Lipödeme und ketogene Kost/Lchf gesucht. 

Danke Karen dafür dass du deine persönlichen Erfahrungen mit uns teilst. <3

Hallo Petra,

Du hast mich gebeten, für Deinen Blog einmal die Veränderungen aufzuschreiben, die sich in meinem Lebensstil durch die Ernährungsumstellung so ergeben haben.

Dazu möchte ich etwas ausholen, wenn ich darf

Ich habe – wie wahrscheinlich jede Frau – bereits etliche Diäten ausprobiert und hatte natürlich hinterher immer mehr Kilos wieder auf den Rippen als vorher.

Während ich als Teenie mit 75kg bei einer Größe von 1,73m zwar nie dünn, aber doch noch schlank war, brachte  ich nach meinen beiden Töchtern 2009 stolze 115kg auf die Waage. Ich war unglücklich und wollte die am liebsten von jetzt auf gleich wieder loswerden. In verschiedenen Internetforen habe ich von Almased gelesen, und dass man das in der Turbovariante über viele Wochen machen kann und schnell viel abnimmt. Das hab ich mir dann gekauft und das viele Wochen durchgezogen: 3 dieser Shakes am Tag, viel trinken und sonst nichts anderes. Und ich hatte Erfolg: ich habe 45kg abgenommen und wog 70kg. Ich begann wieder normal (also viele kH) zu essen, und habe aufgehört zu rauchen.

2010, ein halbes Jahr später, wog ich bereits wieder 115kg.

Bis 2012 versuchte ich es wieder mit Almased, doch es funktionierte nicht mehr, ich konnte machen was ich wollte. Zu diesem Zeitpunkt wurde bei mir Hashimoto mit Unterfunktion diagnostiziert, und ich glaubte die Ursache gefunden zu haben: Ich würde wohl nie wieder abnehmen, denn mit einer Schilddrüsenunterfunktion geht das ja angeblich nicht. Ende 2012 wog ich dann bereits 127,5kg, mein bisheriges Höchstgewicht. Ich brauchte Essen nur ansehen, schon wurde ich immer dicker. Zusätzlich wurde ein Lipödem diagnostiziert, Krampfadern hatte ich ja eh schon.

Im Sommer 2013 hörte ich von 10wbc (10 weeks BodyChange von Detlef D. Soost). Dort gibt es Coaching-Videos und Anleitungen fürs Essen und Sport von D. Ich hab mich angemeldet und mitgemacht – und in den 10 Wochen tatsächlich 12kg abgenommen, danach folgten noch 6 weitere Kilos. Was war anders? Bei 10wbc werden auch die Kohlenhydrate reduziert, bzw. es wird darauf geachtet, genügend Eiweiß, viel Gemüse und nur „gute“ Kohlenhydrate zu essen, insbesondere Erbsen gab es da bei mir sehr oft. Überall kam auch immer viel Öl oder Butter dran. Okay, wenig Kohlenhydrate ist also der Schlüssel zum Abnehmen für mich. Macht Sinn, bei Almased gabs ja nun auch nicht massig kH.

Nach diesen 18kg ging es aber auch da nicht mehr weiter. In die alte Ernährung mit viel Kohlenhydraten bin ich aber schon nicht mehr zurückgefallen, ich habe mich bereits daran gewöhnt, nicht mehr so viel davon zu essen, von Low Carb war das aber schon noch etwas entfernt.

2014 dann fiel mir auf, dass meine „Rückfälle“ oder Zeiten, wo etwas nicht funktioniert, immer mit meiner Kindheit zu tun hatten. Immer, wenn ich etwas Neues probieren wollte, hörte ich innerlich „Das schaffst Du doch eh nicht!“ – und schon hab ich es auch wieder gelassen.

Wieder in einem Internetforum habe ich einen Personal Coach mit Fokus aus Gesundes Abnehmen getroffen, der genau diese Wunde erkannte und mich offen darauf ansprach. Bei dem Berliner Coach Robert Möckel habe ich dann einige Coachingstunden gebucht, und wir haben gemeinsam per Telefon viel an meinen Themen gearbeitet. Wie ich mich sehe, was meine persönlichen Werte sind, was ich erreichen möchte und was mich daran hindert.

Seitdem erlebe ich viel bewusster, warum ich etwas tue oder nicht tue und kann daran arbeiten. So akzeptiere ich jetzt meinen Körper – zu dem ich nie eine positive Beziehung hatte – als Teil von mir.

Zunächst wollte ich im Frühjahr 2015 noch einen Versuch mit 10wbc starten bzw. mit Low Carb, doch damit kam ich irgendwie nicht klar. Bis ich im Sommer 2015 das erste Mal etwas von der ketogenen Ernährung gelesen habe. Ich fand den Gedanken, sich satt zu essen und dabei trotzdem abzunehmen, sehr verlockend und fand: jetzt hast Du doch eh nichts mehr zu verlieren, probieren wir das halt auch noch aus!

Wie ich so bin – viele Bücher gekauft, tagelang das Internet nach Informationen durchforstet und eine große Amazonbestellung getätigt. Leider kann man nicht alles einfach im Supermarkt kaufen.

Die ersten Tage waren schrecklich, ich hatte Kopfschmerzen und bin dauernd aufs Klo gerannt. Aber nach 3 Tagen wurde es besser. Ich habe anfangs viele Brote gebacken, weil ich dachte, ich kann darauf nicht verzichten, oder viele Süßspeisen gemacht.

Bei Facebook habe ich eine tolle Gruppe gefunden: „Ich bin Ketarier“. Dort habe ich bisher jede Frage beantwortet bekommen und wurde auf ganz viele Fehler hingewiesen, die ich noch machte. Das unterstützte mich sehr dabei, meinen Weg mit der ketogenen Ernährung zu gehen und noch mehr zu verstehen, was da im Körper überhaupt passiert. Besonders gut haben Marion Bauer-Brunner, Larx von Mainz und Madlen von Mainz mir geholfen.

Nach nun 7 Monaten mit ketogener Ernährung kann ich sagen: das ist jetzt für mich eine normale, ausgewogene Ernährung. Ich vermisse nichts, bin nie hungrig, so fit wie nie in meinem Leben und immer gut gelaunt. Ich habe inzwischen 33kg abgenommen und 6 Kleidergrößen weniger. Auch die lästigen Pickel im Gesicht bin ich endlich los. Mein Körper hat sich vollständig auf die Ketone eingestellt, auf Kohlenhydrate reagiert er sofort mit Magenschmerzen, die will er nicht mehr.

Anfangs habe ich darauf geachtet genug zu schlafen, möglichst vor 22 Uhr ins Bett zu gehen, wenn 6 Uhr der Wecker klingelt. Jetzt brauche ich viel weniger Schlaf und habe dennoch mehr Energie.

Ich habe keine Heißhungerattacken mehr und bin froh, keine kcal zählen zu müssen. Nach einem halben Jahr hat man dann den Dreh raus, ab wann es zu viele kH sind oder zu viel Eiweiß. Dennoch messe ich mind. einmal pro Woche den Ketonwert im Blut, einfach um sicherzugehen.

Beim Wochenendgroßeinkauf stelle ich fest, dass ich nie so viel Gemüse gekauft habe wie jetzt. Ich probiere auch mal was Neues und koche sehr viel, auch das habe ich früher nie getan.  Mein aktuelles Lieblingsrezept ist die Cheeseburger-Suppe – auch wenn ich nicht weiß, warum die so heißt – aus dem Blog von Betti: http://happycarb.de/rezepte/fleisch/cheeseburger-suppe/.

Bei dem Fett achte ich auf gesunde Produkte: Weidebutter und –sahne, hochwertiges Raps- und Olivenöl, und das leckere kaltgepresste Leinöl aus der Dörnthaler Ölmühle – für mich das beste Leinöl überhaupt! Grundsätzlich achte ich beim Einkauf jetzt sehr darauf, so wenig wie möglich verarbeitete Lebensmittel zu kaufen. Früher habe ich da nicht einen Gedanken dran verschwendet.

Seit einem halben Jahr gehe ich regelmäßig ins Fitnessstudio, bis auf eine Zeit von zwei Monaten, die ich mal „Winterschlaf“ nenne. Mit dem Auffüllen und anschließender regelmäßiger Einnahme von Vitamin D i.V.m. Vitamin K ging es aber wieder besser, seitdem mache ich regelmäßig anstrengende Workouts. Und obwohl man mir in der Kindheit immer sagte, ich solle aufgrund meiner Veranlagung zu Krampfadern besser nie Joggen (bekommen hab ich sie trotzdem), gehe ich 3x pro Woche für inzwischen eine Stunde aufs Laufband (anfangs war ich schon nach 8x 1min laufen, 5min gehen kurz vor einem Herzinfarkt). Wo Sport früher etwas Schlimmes für mich war, kann ich es jetzt als Entspannung und Herausforderung empfinden, und ich habe das gute Gefühl, meinen Körper bei seiner großen Aufgabe sinnvoll zu unterstützen.

Bei dem Sport musste ich schmerzlich erfahren, wie wichtig es ist, seinen Elektrolythaushalt im Blick zu behalten. Nach dem Sport plagten mich nämlich oft Kopfschmerzen und die Muskeln machten schnell schlapp. Jetzt habe ich in der Küche ein Glas Solewasser (mit gutem Himalayasalz) stehen, da gibt es mind. früh und abends einen TL ins Glas Wasser.

Mit ketogener Ernährung nimmt man nicht automatisch viel ab. Mein Körper ist keine Maschine, der verfolgt seinen eigenen Plan. Wenn gerade in diesem Moment das Abnehmen (auf der Waage) nicht dazugehört, dann ist das halt so. Dass sich trotz unverändertem Gewicht alles verändert, sieht man bei einem Blick in den Spiegel, wenn der Gürtel nicht mehr passt oder die gerade neu gekaufte Jeans schon wieder rutscht.

Die Lipödeme habe ich immernoch, aber auch da wird der Umfang stetig weniger, immerhin von Jeansgröße 56 auf 44 bisher. Ich habe immer seltener diese großen blauen Flecke, die Fettpolster sind weniger stark „knubbelig“. Nach dem Sport und wenn es warm draußen ist, muss ich noch immer aufpassen, dass die Knöchel nicht zu sehr anschwellen. Aber auch da ist die Schwellung nicht mehr so dick und schmerzhaft wie früher, hier helfen mir eiskalte Duschen, z.B. direkt nach dem Sport. Durch das langsame Abnehmen hat die Haut sehr viel Zeit sich zu regenerieren und zurückzubilden, das funktioniert bisher auch am Bauch sehr gut.

Mein Körper und ich, wir sind quasi Partner auf unserem Weg durchs Leben, und ich versuche ihn seit Sommer 2015 mit einer ausgewogenen ketogenen Ernährung bestmöglich dabei zu unterstützen, mich wieder zu „reparieren“ – wenn man das so sagen kann. Für mich bedeutete das nicht nur eine Ernährungsumstellung, sondern vielmehr eine Lebensumstellung.

Ich vertraue meinem Körper wieder. Der macht das schon richtig so!

Liebe Grüße,

Karen

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